Von Ziegen und Schildkröten

Ein einzigartiges Artenschutzprogramm

Tortoises

Um Tortugas kommt man auf Galapagos nicht herum: Man kann Schildkröten in Gehegen besichtigen, sie zieren Werbeplakate und Wandgemälde und manchmal sieht man auch einfach einige Schildkröten am Straßenrand ihres Weges gehen. Grund genug, einige Worte über die faszinierenden Tiere zu verlieren: hier 5 Fakten über Schildkröten mit dem Fokus auf die Galapagos-Riesenschildkröten.

Steckbrief Galapagos-Riesenschildkröten

Alter: können über 150 Jahre alt werden
Gewicht: bis zu 270 kg
Paarungszeit: Januar und Juni (Regenzeit)
Eiablage: zumeist werden bis zu 20 Eier in den Boden eingegraben
Brutzeit: 4 - 8 Monate

1. Seit wann gibt es Schildkröten?

Schildkröten bevölkern seit über 200 Millionen Jahren unseren Planeten. Damit gehören sie zu den ältesten Wirbeltieren überhaupt. Der größte archäologische Fund eines Schildkrötenfossils ist geschätzte 70 Millionen Jahre alt: Das Skelett einer urzeitlichen Wasserschildkröte ist vier (!) Meter lang und stammt aus South Dacota/USA (jetzt zu sehen im Naturhistorischen Museum in Wien).

2. Wie alt werden Schildkröten?

Schildkröten können sehr alt werden! So lebte bis 1965 auf den Tonga-Inseln im Südpazifik die Schildkröte Tu'i Malila, die Kapitän James Cook 1777 der königlichen Familie geschenkt hatte. Die Schildkröte Harriet lebte bis 2006 in einem australischen Zoo. Charles Darwin hatte das damals noch junge Tier 1835 von den Galapagosinseln mitgebracht. Sie starb im Alter von 176 Jahren.

3. Die Sinnesorgane der Schildkröten

Schildkröten sehen erstaunlich gut und können Farben sogar besser unterscheiden als Menschen, denn sie haben vier Farbrezeptoren und können daher auch Infrarot- und Ultraviolett-Strahlung wahrnehmen. Auch der Geruchssinn von Schildkröten ist sehr gut ausgeprägt: Über den Duft erkennen Schildkröten ihr Fressen, ihre Partner und zudem nutzen sie ihre Nase auch zur Orientierung: Meeresschildkröten, die oft Tausende von Kilometern zurücklegen, um ihre Eier an dem Strand abzulegen, an dem sie selbst geboren wurden, riechen ihren Weg. Außerdem scheinen sich die Tiere auch am Magnetfeld der Erde zu orientieren. Hören können Schildkröten dafür nicht so gut: sie nehmen vor allem tiefe Schallfrequenzen wahr, wie zum Beispiel Auftreten.

4. Darwin und die 15 Unterarten

Wie schon einmal in einem meiner Blogbeiträge erwähnt, trugen die Schildkröten auf Galapagos entscheidend dazu bei, dass Darwin seine Evolutionstheorie entwickelte: Während seines Aufenthalts auf Galapagos im September und Oktober 1835 bemerkte Darwin, dass die Schildkröten der Inseln erstaunliche Varianten in der Panzerform aufwiesen. Die Tiere, die sich hauptsächlich von niedrigen Pflanzen ernährten, hatten "normale", runde Panzer. Die Tiere, die in trockenen Regionen lebten, hatten stark nach oben gezogene Panzer, die dem Hals mehr Bewegungsfreiheit gewähren; dadurch konnten die Tiere auch weiter oben wachsende Blätter abfressen.

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Darwin folgerte, dass sich die Schildkröten im Laufe der Zeit auseinander entwickelt hatten, um sich an unterschiedliche Umwelt- und Ernährungsbedingungen anzupassen.

Seine Theorie hat heute noch Bestand:

Die auf Galapagos vorkommenden Riesenschildkröten gehören alle der Art Geochelone elephantopus an, jedoch haben sich im Laufe der Zeit in 15 Unterarten entwickelt.
Jede der Unterarten findet sich auf einer unterschiedlichen Insel.

Für die, die es genau wissen wollen: Außer auf Isabela. Dort leb(t)en 5 Unterarten. Aber warum konnten sich ausgerechnet auf Isabela fünf eigene Unterarten bilden? Isabela besteht als einzige Insel aus 5 Vulkanen, die während der Entstehung der Insel zunächst noch durch das Meer getrennt waren und erst später zu einer Insel zusammenwuchsen. Die Lavafelder, welche die Vulkane umgeben, sind allerdings für die großen Tiere eine nicht zu überwindende Barriere.

Schildkröten haben kaum Feinde, doch durch den Menschen und seine eingeschleppten Haustiere sind bereits 5 der bekannten 15 Unterarten ausgestorben:

  • Floreana-Riesenschildkröte: ausgestorben 1846

  • Santa Fé-Riesenschildkröte: ausgestorben um 1890

  • Fernandinha-Riesenschildkröte: ausgestorben 1906

  • Rabida-Riesenschildkröte: ausgestorben 1906

  • Pinta-Riesenschildkröte: bis zu seinem Tod 2012 galt Lonesome George als letztes Individuum

    Sechs weitere Arten vom Aussterben bedroht.

Gibt es noch einen zweiten "Lonesome George"?

Im 19. Jahrhundert wurdendurch Walfänger und Piraten viele Arten auf andere Inseln verfrachtet und so kam es zur Zeugung von Hybriden, also zur Vermischung verschiedener Unterarten. Während zahlreicher Expeditionen im letzten Jahrzehnt haben Genetiker Blutproben von Tieren genommen, um Verwandte von Lonesome George zu finden. Eine reinrassige Pinta-Schildkröte wurde bisher noch nicht entdeckt, jedoch fand man insgesamt 17 Tiere mit Pinta-Genen. Diese wurden auf die Insel Santa Cruz gebracht mit dem Ziel die Pinta Gene unter den Schildkröten wieder zu verbreiten. Das Unterfangen kann bis zu 50 Jahre dauern. Die Tiere sollen dann im Habitat ihrer Ahnen ausgesetzt werden.

Neue Methoden - neue Arten

Erst kürzlich haben Wissenschaftler auf den Galapagos-Inseln auch eine neue Art der Riesenschildkröten nachgewiesen (also Art Nummer 15): Genetische Analysen zeigten, dass die Schildkröten auf der Insel Santa Cruz zu zwei verschiedenen Arten gehören. Bisher war angenommen worden, dass alle Riesenschildkröten auf Santa Cruz zu der Art namens Chelonoidis porteri gehören. Die neue Art wurde Chelonoidis donfaustoi genannt. Damit ehrten die Wissenschaftler Fausto Llerena, den langjährigen Pfleger von Lonesome George.

Bedrohte Arten

Etliche Schildkrötenarten gehören zu den bedrohten Arten. Früher wurden Schildkröten als lebender Fleischvorrat mit auf See genommen. Aber auch heute werden in einigen Ländern Fleisch und Eier verzehrt. Manche Arten sind zudem wegen ihres Panzers begehrt, der zu Schmuck oder Handtaschen weiterverarbeitet wird. Zum Problem können auch die Touristen werden, die Strände nutzen und somit die Eiablage stören. Zwar gibt es weltweit Schutzprogramme, doch diese scheinen bislang nur bedingt zu helfen.

5. Schildkröten und der Klimawandel

Zur Eiablage sucht das Schildkrötenweibchen einen geeigneten Ort, um ihre Eier zu vergraben. Das Ausbrüten der Eier übernimmt dann die Sonne. Bei den meisten Schildkrötenarten entwickelt sich das Geschlecht in Abhängigkeit von der Temperatur während der Brutzeit. Ein Gelege in der prallen Sonne wird eher Schildkrötenweibchen produzieren, ein Gelege im Schatten eher Männchen. Dies kann helfen, das Überleben der Art zu sichern. Durch die zunehmende Erderwärmung gerät das Geschlechtergefüge aus dem Gleichgewicht und die Weibchen dominieren zunehmend.

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von Ziegen und Schildkröten - ein einzigartiges Artenschutzprogramm

Auf mehreren der Inseln von Galapagos wurden durch Übersiedler Ziegen eingeführt. Doch was haben die mit unseren Schildkröten zu tun? Einige ausgewilderte Exemplare haben sich durch fehlende Feinde massenhaft vermehrt. Und Ziegen sind bekannt dafür, dass sie einfach alles fressen. Schließlich konkurrierten sie mit den 15.000 Riesenschildkröten um Nahrung, machten ihnen den Raum für Nistplätze streitig und bedrohten ihre Existenz. Es begann eine Naturschutzmaßnahme der „besonderen“ Art: Experten des Galapagos National Park Service begannen per Treibjagd, mit Spürhunden und durch Beschuss vom Helikopter aus, die Ziegenpopulation zu dezimieren. Die Jagd war Teil des weltgrößten Ausrottungsprogramms für eingeschleppte Säugetiere. Dies war allerdings nur effektiv, solange es ganze Ziegenherden gab – einzelne Tiere wurden zum Problem. Daher wurden sogenannte Judasziegen mit Peilsendern versehen und auffällig markiert. Die so ausgestatteten Ziegen suchen die Gesellschaft ihrer frei lebenden Artgenossen und verrieten deren Aufenthaltsort. Die Ziegen wurden dann von Jägern erlegt - nur die Judasziege dürfte überleben. Sie suchte sich dann erneut Artgenossen und zeigte den Jägern den Weg. Seit 2006 gelten die Inseln Santiago und Isabela als ziegenfrei.

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