Unter Wasser: Geschichten von Haien, Rochen und Seelöwen

Unter Wasser

Für viele Besucher ist Galapagos eines der Taucherparadiese. Aber auch wer schnorchelt, kommt hier auf seine Kosten. Denn selbst am „ganz normalen“ Strand von Puerto Ayora kann man mit Schildkröten, Rochen, Haien und lustig anmutenden Tropenfischen schwimmen.

Besonders beeindruckend finde ich das Schwimmen mit Schildkröten. Die können eine ganz schöne Größe erreichen, was für mich als Nordseepflanze erst einmal gewöhnungsbedürftig war – da sieht man ja in der Regel nicht, was so im Wasser unterwegs ist. Auf der anderen Seite haben die sanften Urzeit-Riesen auch etwas unheimlich Beruhigendes an sich. Sich eine Weile neben ihnen treiben zu lassen ist einfach fantastisch. Ich werde auch den Eindruck nicht los, dass sie einen ganz genau beobachten (und wir wissen ja jetzt, dass Schildkröten sehr gut sehen können). Besonders viele Schildkröten haben wir bei der Isla Pinzon gesehen.

Auf den Bootstouren ist das tägliche Schnorcheln fester Bestandteil des Programms. Wir hatten das Glück bei unserer Fahrt einen Guide dabei zu haben, der seine Aufgabe sehr ernst genommen hat: Beim Schnorcheln hat er mit seiner Unterwasserkamera Fotos von den Tieren gemacht, die wir gesehen haben und uns diese abends an Bord auf dem Laptop gezeigt und erklärt – perfekt für wissensdurstige Reisende.

an Bord
an Bord

Ein Highlight unseres Schnorchelns war die Sicht des Galapagos-Sharks (Carcharhinus galapagensis), der eine imposante Größe von bis zu 3,70 m erreichen kann. Alle waren recht beeindruckt von dem Tier und beruhigt, dass er nur schnell an uns vorbei huschte - er hatte wohl Wichtigeres zu tun. Die Art wird als für den Menschen gefährlich eingestuft und ist zudem noch sehr neugierig. Die deutlich kleineren Weißspitzen-Hochseehaie (Carcharhinus longimanus) wirkten dagegen auf niemanden von uns wirklich angsteinflößend. Aber auch wenn die meisten Haiarten in den Gewässern um Galapagos als wenig angriffslustig gelten, kann natürlich immer etwas passieren. Auf jeden Fall sollte man nach Sonnenuntergang das Schwimmen und Schnorcheln meiden. Gerade abends sind unheimlich viele Haie um das Boot herumgeschwommen und nachts kann es schon eher mal zu unglückseligen "Verwechslungen" kommen.

Doch apropos angsteinflößend: Das können auch ganz andere Tiere!

In einer Nacht wurden wir durch lautes Geheul und Geschrei aufgeweckt. Ein Mitreisender - Mitch - wollte in stürmischer Nacht das Deck aufsuchen, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Ohne Kontaktlinsen und schlaftrunken tapste er mit seiner Decke den Gang entlang, als er auf etwas Weiches trat: ein stattlicher Seelöwe, der „not amused“ war! Er hatte sich an Bord geschmuggelt um dort ein wenig zu ruhen und dann so eine Störung! So jagte er Mitch den Gang entlang zurück. An dessen Ende angelangt und dem Herzinfarkt nahe fiel Mitch einige Treppenstufen rücklings hinunter, fasste sich aber und rüttelte nun verzweifelt am Türgriff seiner Kabine, begleitet von lautstarkem Seelöwengebrüll! Doch die Tür ließ sich nicht öffnen, denn auf den Schiffen muss man den Griff nach oben drücken – in seiner Panik ein unüberwindbares Hindernis. Schließlich wurde die Tür von seinem (inzwischen ebenfalls wachen) Mitbewohner von innen geöffnet und Mitch konnte sich retten.

Die Geschichte sorgte natürlich für herzliches Gelächter am Morgen – danke Mitch!

Eine spannende Beobachtung konnten wir auch an einem weiteren Abend machen: Schwärme von fliegenden Fischen. Diese beginnen aus dem Wasser zu springen, wenn man nachts mit der Taschenlampe ins Meer leuchtet, ein Phänomen, das wir nur durch Zufall entdeckten.

Tagsüber dagegen sahen wir Rochen und Delfine (allerdings in weiter Ferne) aus dem Wasser springen. Und auch einige der kleinen Galapagos-Pinguine (Spheniscus mendiculus) düsten an uns vorbei (die Tiere werden gerade mal einen halben Meter groß). Die vom Aussterben bedrohte Art kommt nur auf Galapagos vor und ist mit geschätzten 1.200 Individuen die seltenste Pinguinart der Welt. Die Pinguine haben zahlreiche Freßfeinde, an Land und im Wasser, aber die größte Gefahr für ihren Bestand ist El Niño, der durch das Ausbleiben der benötigten Nahrung den Bruterfolg einer ganzen Saison zunichte machen kann (Artikel dazu folgt).

Einige der Begegnungen habe ich mit der Unterwasserkamera festgehalten:

Noch einige Worte zu den Aufnahmen:

Manchmal ist es nicht so einfach, die geforderten 2 m Abstand zu den Tieren zu halten, denn gerade die Seelöwen, aber auch Pinguine und Haie sind einfach extrem schnell unterwegs und "rasen" einfach auf Taucher und Schnorchler zu. Außerdem hatten wir an unser Unterwasserkamera einen orangefarbenen Haken (auf der rechten Seite!), der auf viele Fische sehr attraktiv wirkte – jedenfalls wurde dieser oft angeknabbert. Ich werde ihn wohl austauschen gegen einen rein schwarzen und hoffen, dass das Plastikteil dann seine Anziehungskraft verliert.

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Vielen Dank.

 

2 Comments on “Unter Wasser: Geschichten von Haien, Rochen und Seelöwen

  1. Einmal mehr bin ich überwältigt von der Qualität Deiner Berichterstattung und der Aufnahmen. Einfach wunderbar! Herzlichen Dank dafür!

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