Abenteuer Galapagos: Was mache ich hier überhaupt?

Auf ins Insekten-Labor!

Heute möchte ich euch berichten, wie ein typischer Arbeitstag für mich bei der Charles-Darwin-Foundation auf der Insel Santa Cruz (Galapagos) aussieht.

Mein Start in den Arbeitstag

Mein Arbeitstag startet um 7.30 Uhr morgens – das scheint ziemlich früh zu sein, allerdings ticken die Uhren hier auf Galapagos auch etwas anders als in Berlin. Die Sonne geht gegen 6 Uhr auf und gegen 18 Uhr unter – immer. Das Leben beginnt sehr früh am Morgen, denn gegen 5 Uhr sind die Temperaturen noch recht angenehm. Daher füllen sich die Straßen morgens schnell und man sieht um die Uhrzeit sogar vereinzelt Jogger, auch wenn hier generell eher wenig Sport getrieben wird. Das braucht man auch kaum, denn man legt zu Fuß ganz ordentliche Strecken zurück: Zur Arbeit braucht es etwa 25 Minuten. Viele Kollegen kommen auch mit dem Fahrrad oder werden mit dem Roller bis vor die Bürotür gebracht. Eigene Autos sind eher die Ausnahme. Wenn man weitere Strecken zurücklegt oder die Einkäufe nach Hause tragen muss, nimmt man einfach ein Taxi, das in der Stadt immer 1 Dollar kostet, egal wo man hinfährt. Die vielen Taxis (allesamt weiße Pickup`s mit eigenem Namen, der auf dem Fenster steht – z. B. DMAX, Thunder oder Conan) fahren immer durch die Straßen auf der Suche nach Kunden, man wartet nie lange …

In der Station geht es vorbei an den Schildkrötengehegen und an einigen Iguanas bis zum äußersten Rand des Geländes. Dort liegt das Invertebraten-Labor.

Mein Arbeitsplatz.
Mein Arbeitsplatz.

im labor

Im Büro angekommen, wird erst einmal die Klimaanlage angestellt. Dann geht es an die Arbeit. Mein Job: Proben mit Insekten und Spinnen vorsortieren. Und das bis 17 Uhr – mit Frühstückspause und 1 ½ stündiger Mittagspause, die sich gut zum schwimmen an einem der beiden Strände der Station nutzen lässt.

Doch zurück zur Arbeit.

Woher kommen die Proben eigentlich?

In der Region von „los gemelos“ werden auf drei verschiedene Arten Insekten gesammelt:

  • Zum einen werden Insekten – ganz klassisch – per Hand gesammelt.

  • Außerdem werden Insekten mit Malaisefallen gefangen. Dabei werden Zelte auf den Boden gestellt, in die die Tiere hineingeraten. In den meisten Fällen versuchen die Tiere dem Licht entgegen nach oben zu gelangen und geraten dabei in ein Fanggefäß.

  • Die dritte Methode ist das Fangen der Insekten über Bodenfallen, die eingegraben werden. Hier auf Galapagos können die Bodenfallen aufgrund der Temperaturen nur zwei Tage eingegraben bleiben. Allerdings fallen nicht nur Insekten und Spinnen, sondern auch immer ein wenig Erde mit in die Fallen, das lässt sich kaum verhindern.

Die Tiere werden in Alkohol konserviert. Und dann komme ich ins Spiel: Die Fallen werden unter dem Binokular untersucht und die Tiere ggf. von Erde und Dreck getrennt und befreit und nach Gruppen aussortiert, also Spinnen zu Spinnen, Ameisen zu Ameisen, etc.. Manchmal ist das gar nicht so einfach.

Gut getarnte Fliegen unterm Binokular.
Gut getarnte Fliegen unterm Binokular.

Im weiteren Verlauf werden die Tiere dann von den entsprechenden Experten bestimmt.

Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage:

WARUM DAS ALLES?

Auf Galapagos wurden einige eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten zu einem großen Problem. Und es immer schwieriger, Flora und Fauna der Inseln zu bewahren, denn sowohl Einwohnerzahlen als auch Besucherzahlen steigen. Daher ist gerade Santa Cruz sehr anfällig für invasive Arten. Seit der Entdeckung der Inseln 1535 wurden an die 800 Pflanzenspezies, 490 Insekten- und 30 Wirbeltierarten eingeschleppt. Von den eingebrachten Pflanzen wurden etwa 65-90 % absichtlich eingeführt (die Angaben variieren offensichtlich), vorwiegend Arten, die der Mensch als nützlich oder schön erachtete: Früchte und Gemüse, medizinisch wirksame Pflanzen, aber auch Blühpflanzen für die Gärten. Mehrere Arten fanden ihren Weg über Lebensmittellieferungen auf die Inseln.

Etwa 50 der eingebrachten Pflanzenarten bereiten ernste Probleme und werden als hoch invasiv eingestuft.

Eine dieser Arten ist die Brombeere (Rubus niveus), die 1968 ebenfalls absichtlich angepflanzt wurde. Brombeeren werden als „Transformer“ eingestuft, das sind Arten, die das vorkommende Habitat drastisch verändern, denn sie verbreitet sich schnell, wächst sehr dicht und verdrängt einheimische Arten mit denen sie um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurriert – und dabei ist sie sehr erfolgreich. Auch bei „los gemelos“ wurde die Brombeere zum Problem. Eigentlich bilden Scalesiapflanzen die Lebensgrundlage in dieser Inselhöhe. Scalesia gehört zur Familie der Gänseblümchengewächse, auf Galapagos wachsen ihre dünnen Stämme jedoch bis zu sechs Meter hoch.

Im Scalesiawald bei los gemelos.
Im Scalesiawald bei los gemelos.

Der dichte Brombeerteppich erstickt großflächig die Pflanzen und verhindert die Regeneration des Waldes, zum Beispiel nach den regelmäßig auftretenden Stürmen. Deswegen wurde begonnen, die Wälder von der Brombeere zu befreien. Aktuell wird dies mit einer Mischung aus manueller Kontrolle (mit der Machete) und chemischer Kontrolle (mit Herbizideinsatz) versucht. Dies ist ein schwieriges Unterfangen, die Arbeit ist teuer, arbeitsintensiv und bislang nicht sehr erfolgreich. (Man spricht daher auch nicht von der Ausrottung der Brombeere sondern von der Kontrolle - eine Ausrottung ist zu unwahrscheinlich.)

Wenn Pflanzen mit Herbiziden kontrolliert werden, dann kommt das Problem hinzu, dass indirekt auch Insekten, Spinnen und Vögel beeinträchtigt werden können. Aktuell gibt es aber noch keine Kenntnisse dazu, weswegen die Effekte des Brombeeren-Managements auf Tiere und Pflanzen nun vor (2014), während (2015) und nach (2016) der Kontrolle untersucht werden. Und die zu untersuchenden Proben habe ich nun auf dem Tisch.

Die wichtigsten Fakten des Projektes auf einen Blick:

Projekt: Restoring los gemelos

Zeitraum: 2014 - 2016

Fokus:

Kontrolle von Rubus niveus und Wiederaufforstung des Scalesia-Waldes; Untersuchungen zu direkten und indirekten Effekten der Kontrolle.

Ziel:

Eine auf wissenschaftlichen Untersuchungen basierende Empfehlung zu den Kontrollmethoden mit dem Ziel die Einflüsse der Kontrolle auf „Nicht-Zielgruppen“ zu minimieren.

Nicht vergessen darf man, dass bei solchen Untersuchungen „nebenbei“ auch immer wichtige Informationen über das Ökosystem von Los Gemelos gesammelt werden.

Am vielversprechendsten wäre übrigens eine ganz andere Methode. Die Wissenschaftler hoffen, eine potentielle Biokontrolle, wie zum Beispiel ein Rostpilz, gefunden wird, der auf Galapagos dann eingeführt werden könnte und die Brombeere schädigt. Allerdings ist diese Methode noch in weiter Ferne, da es – wenn ein passender Kandidat gefunden ist - zwischen 3 und 5 Jahre dauert, bis er eingesetzt wird. Schließlich sollte ein Risiko für andere, einheimische Arten ausgeschlossen werden.

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